Wanderreisen Consulting & Touristik
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Benvenuto Amalfiküste und Capri

Boccaccio nannte die amalfitanische Küste in einer seiner Novellen die reizendste Gegend Italiens. Das „Land wo die Zitronen blühen“ wurde seit Goethe zum Sehnsuchtsort der deutschen Seele, die dem grauen Einerlei des nordischen Winters entfliehen möchte. Millionen zieht es jedes Jahr an den wahrscheinlich schönsten Küstenlandstrich der Erde, der  von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

 

Doch nur mit dem Auto die Costiera Amalfitana entlang gondeln und die überlaufenen Hotspots dieses schönen Fleckchens Erde anfahren ist nicht unser Ding. Wir, acht wanderbegeisterte Mitglieder des Alpenvereins, halten es eher mit dem Spruch: „Nur wo du mit den Füßen gelaufen bist, bist du wirklich gewesen“.

 

Und so trafen wir am späten Vormittag des Ostermontag am Flughafen „Capodichino“ in Neapel ein. Unser Wanderführer Willi Kempf hatte vorab schon alles perfekt für uns organisiert. Angefangen von den Transfers für uns und das Gepäck, bis zu den kleinen, familiengeführten Hotels in denen wir übernachteten. Wir durften uns ganz und gar dem Genuss überlassen.

 

Amalfi empfängt uns mit Regen. Bewaffnet mit Regenschirm erkunden wir zuerst einmal

die kleine Stadt, die einst eine mächtige Seerepublik war, und lassen uns durch die Gässchen treiben. Der prächtige Dom, der dem Hl. Andreas geweiht ist, zeugt noch heute vom einstigen Reichtum der Stadt.  Das eine oder andere kleine Souvenier kann schon einmal erworben werden, denn in den nächsten Tagen ist in der Hauptsache Wandern an der Tagesordnung.

 

Der Linienbus bringt uns am nächsten Morgen bis hoch nach Ravello und die Beinmuskeln können noch geschont werden. Die wunderschönen Gärten der Villen Rufolo und Cimbrone verzaubern uns, auch wenn der Frühling mit all seinen Blüten noch nicht so recht im tiefen Süden angekommen ist. Magisch ziehen uns die Statuen auf der Brüstung der „Terrasse der Unendlichkeit“ an und wir wähnen uns wie einst Romy Schneider, die als Kaiserin Sissi von hier aus den Blick über das tiefblaue Meer schweifen ließ. Direkt neben der Terrasse nehmen wir an weiß gedeckten Tischen Platz und genießen einen Cappuccino.

Zum Verweilen bleibt nicht lange Zeit. Über Pontone erreichen wir einen Aussichtspunkt von dem aus sich uns ein spektakulärer Ausblick auf den Torre del Ziro, Atrani und Amalfi bietet. Die Kamera wird gezückt. Solche Motive bekommt man nicht jeden Tag vor die Linse.

Der Abstieg nach Amalfi führt uns durch das Valle dei Mulini. Fast wie verzauberte Ruinen kleiner Schlösschen muten die Relikte der alten Papiermühlen  an, die hinter Bäumen hervorlugen und von Efeu überwuchert sind. Wilde Alpenveilchen setzen pinkfarbene Akzente zwischen verrottendem Laub und Moos.

 

Heute geht es erstmal treppauf, treppab und unter Torbögen hindurch hinaus aus Amalfi.

Über die Straße nach Agerola gelangen wir zum Abstieg über den „Sentiero dei pipistrelli“.

Trittsicherheit und Konzentration ist angesagt auf dem verwilderten Pfad. In der Felswand rechts von uns sind größere und kleinere Höhlen zu erkennen, den Rückzugsorten der Fledermäuse. Unser Ziel Marina di Furore ist nicht mehr weit und wir sind schon gespannt, ob Luigi seine Hafenbar geöffnet hat und mit gegrilltem Fisch wartet.

Unerwarteterweise versperrt uns ein Hindernis den Weg, über dessen Zweck wir aber nun den Mantel des Schweigens breiten. Doch im Fels erprobt, können wir dieses mit Hilfe unserer beiden Männer Willi und Notger überwinden. Wir ahnen es schon: Tote Hose in Marina di Furore. Doch mit Eigenproviant ausgerüstet stärken wir uns bei einer Mittagspause. Dafür haben wir die Bucht ganz für uns alleine.

Über einen alternativen Weg verlassen wir die Bucht, da der Treppenweg gesperrt ist und gelangen auf den „Sentiero dell Amore“, den man wirklich für einen verwunschenen kleinen Weg halten könnte, auf dem verliebte Paare entlangschlendern.

Weiter geht es auf einem unbefestigten Pfad Richtung Praiano, dem „Sentiero del Agave in fiori“, dem Weg der blühenden Agaven. An einer besonders schönen Stelle, inmitten eines kleinen Kakteenwaldes nehmen wir Aufstellung zu einem Gruppenfoto. Immer wieder haben wir die Küste im Blick. Kleine Landzungen schieben sich ins Meer, die Meeresgischt bricht sich an den steilen Felsen. Der Blick gleitet die Küste entlang, fast kann man Capri schon erahnen. Das Meer schimmert in allen nur möglichen Blautönen, das einst von Bertold Brecht als „Verfluchte blaue Limonade“ bezeichnet wurde – wie kann man nur so ignorant sein angesichts von soviel Naturschönheit.

Dann erreichen wir Praiano. Unser Hotel Margherita wartet mit einer exzellenten Küche auf, die wir beim „cena“, dem Abendessen, genießen und mit einen Aperól Spritz beschließen.

Dieser Aperitivo hat es nun allen angetan und im Laufe der Tage wird des öfteren mit dieser kleinen orangefarbenen „Sünde“ angestoßen.

 

Weiter geht es nach Westen. Positano ist heute unser Ziel. 

Über Treppenwege und vierzehn Kreuzwegstationen vorbei gehen wir bergauf  zu einem ehemaligen Dominikanerkloster, das gerade auf sehr einfühlsame Art restauriert wird und aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden soll. Auch von hier kann man den Blick über das endlose Meer schweifen lassen. Ein Teppich aus Zitronenhainen bedeckt die  Terrassen. Wo die Gitterstäbe der unbelaubten Spaliere wie Schuss- und Kettfäden übereinanderliegen, liegt die Erde brach. Immer weniger junge Menschen wollen die Mühe des Zitronenanbaues auf sich nehmen.

Nun schwingt sich der Pfad immer steiler nach oben. Jeder Meter Höhe eröffnet neue und immer noch schönere Ausblicke.

Fast haben wir ihn erreicht, den „Weg der Götter“, den die Italiener nicht ohne Grund so getauft haben. Hoch über dem Meer, zwischen geschwungenen Terrassen und vorspringenden Felsnasen, eröffnen sich auf diesem alten Eselspfad, am Rande von steilen Schluchten, Panoramablicke von paradiesischer Schönheit. Unter uns ein tiefblaues Meer, das fast übergangslos in den Himmel fließt. Eine Ziegenherde überholt uns, begleitet von einem Schäfer samt Hütehund. 

Heute sind wir nicht ganz alleine. Andere Wanderer begegnen uns. Englisch, französisch, schwyzerdütsch dringt an unsere Ohren. Menschen aus aller Herren Länder möchten erfahren wie es sich anfühlt, diesen Weg zu beschreiten.

Strahlender Sonnenschein liegt über der Küste – Kaiserwetter…..

Bevor wir uns dem mondänen Positano nähern kommen wir an einer kleinen urigen Bar vorbei. Ein etwas beleibter, vor Lebensfreude sprühender Gastwirt offeriert frisch gepressten Zitronen- und Orangensaft zu 2.50 € das Glas. Als ich ihn um ein Foto bitte, muß ich mich noch einen Moment gedulden. Jetzt ist er richtig fotogen mit seinem großen weißen Basthut auf dem Kopf und seiner blauen Küchenschürze, die mit Sonnenblumen bedruckt ist.

In den Sträßchen von Positano ist viel Volk unterwegs, chice Boutiquen locken mit Glitzer und Glamour. Promis, die hier gerne urlauben sind nicht zu sehen. George Clooney ist noch bei Dreharbeiten……

 

Heute, Freitag, genießen wir zuerst einmal das Frühstück auf unserem Zimmerbalkon im Hotel „La Rosa dei Venti“ mit Meeresblick - und das in Positano!! Rosa Streifen am Horizont, eine sanfte Brise weht vom Meer heran. Das verdoppelt, nein, vervielfacht den Genuss von Cappuccino und Croissant.

Die Wanderstiefel sind geschnürt, der Rucksack geschultert und die vorletzte Etappe beginnt.

Heute überqueren wir die sorrentinische Halbinsel. Bei einem „Alimentari“ kaufen wir noch Obst und Getränk. Unterwegs treffen wir auf eine kleine Karawane von Eseln, über deren Rücken Behältnisse aus Metall gelegt sind. Ob bei der Zitronenernte oder bei Bauarbeiten in den engen Gässchen, überall machen sich die sanftmütigen Tiere als Lastenträger nützlich.

 

Ziel der ersten Tagesetappe ist der kleine Ort Santa Maria del Castello. Wir sind pünktlich zur Mittagszeit und können so das Glockenspiel genießen. Die Melodie erinnert mich irgendwie an eine Filmmusik aus dem Western „12 Uhr Mittags“. Schön und sehr ungewöhnlich.

Auf  Pfaden und schmalen Wegen geht es aufwärts, immer dem Monte Commune entgegen.

Anja, Kennerin der Botanik, entdeckt unterwegs eine wunderschöne Orchidee: das Knabenkraut. Doch Dagmar, die immer mit ihren lockeren Sprüchen für Erheiterung sorgte meinte, dass es sich hier eventuell auch um den „Gemeinen Frauenschuh“ handeln könnte.

 

Ein paar Schweißtropfen müssen wir noch vergießen, dann haben wir es geschafft. Wir sind auf dem Monte Commune mit seinen 875 Metern angekommen. Doris zieht mit gekonntem Griff einen Flachmann aus ihrem Rucksack. Zeit für den Gipfelschnaps: Birne, Hausbrannt aus Eigenbau. Wir stoßen an und genießen den Blick von hier oben:

Rechts der Golf von Neapel, der Vesuv ist klar zu erkennen und am Fuß die Stadt. Unser Blick gleitet geradeaus über die ganze Spitze der Halbinsel – dahinter Capri. Ein Anblick, der fast den Atem raubt.

Links der Golf von Salerno und in fast greifbarer Nähe die Galli Inseln. Odysseus segelte einst an ihnen vorbei und widerstand dem Gesang der Sirenen die hier wohnten (aber nur weil er an den Segelmast gefesselt war), nachdem er sich zuvor von Kirke hat becircen lassen.

 

Sorrent liegt zu unseren Füßen. Gründungsort des antiken Surrentum war einst ein Heiligtum das den Sirenen – Meerjungfrauen, die in den Gewässern des Golfs leben sollten -geweiht war. Der Abstieg zum Ziel führt uns über Stock und Stein. Doch Sorrent immer im Blick empfinden wir den Weg nicht sonderlich beschwerlich. Am vereinbarten Treffpunkt wartet ein Bus auf uns und bringt uns zum Hotel.

Am (leider) letzten Tag unserer Wanderreise bringt uns am Vormittag das Fährschiff nach Capri – der Insel der Sehnsucht schlechthin. Zum Glück fließen die Touristenströme zu dieser Jahreszeit noch einigermaßen verhalten. Dennoch herrscht überall rege Betriebsamkeit. Die Funicolare hievt uns direkt von der Marina Grande ins „Wohnzimmer“ von Capri, der Piazetta Umberto. Wir verzichten jedoch auf den obligatorischen Cappuccino und entfliehen dem Trubel auf die stilleren Wege, dort, wo sich die wahre Schönheit Capris offenbart. In der Nähe des Augustusgartens entdeckt Dagmar eine Parfümerie. Bei „Carthusia“ erstehen wir ein duftendes Souvenier, das uns den ganzen Sommer über an Capri erinnern wird. Wir genießen den Rundweg mit den schönsten Aussichten auf die Faraglioni Inseln und natürlich müssen wir uns für ein Foto davor platzieren.

Dann steigen wir auf zur Villa Jovis. Tiberius, Kaiser des Römischen Reiches, lädt zum Picknick mit Brot, Wein, Käse, Oliven, das großzügigerweise Marion und Notger organisiert haben. Dafür dürfen wir seine Räumlichkeiten nutzen. Von seinem Wohnsitz aus sehen wir zur Halbinsel hinüber. Kaum zu beschreiben, was man bei diesem Ausblick empfindet.

Nach einem kurzen Abstecher zu Villa Lysis geht es wieder zurück nach Sorrent.

 

Bei einem letzten gemeinsamen Abendessen in einer Pizzeria nehmen wir Abschied von der Amalfiküste, voneinander und von Willi, der uns mit seiner ganz eigenen, unvergleichlichen Art begleitet und an die schönsten Orte der Costiera Amalfitana geführt hat.

Doch wir sagen nicht „Addio“, sondern „Arrivederci“ – wir sehen uns wieder – ci vediamo…….

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