Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?

Ein Bericht über die Wanderreise Amalfiküste und Capri           

Zu zweit sitzen wir auf dem Balkon unseres Hotels in Praiano, unter uns ein Zitronenhain, es duftet stark nach Zitronenblüten. Das muss der Landstrich sein, den Goethe mit seiner Anfangszeile des Gedichtes verewigt hat, die Amalfiküste, wahrscheinlich war er auch in Praiano Station gemacht. Die Zitronen leuchten unter den schwarzen Netzen hervor, Netze, die die Früchte vor Hagel schützen und schneller reifen lassen und uns auf unserer ganzen Wanderreise durch die Amalfiküste sowie Capri begleiten. Und in Praiano leuchten die reifen Oragnen in solcher Pracht von einem Strauch, dass die ganze Wandergruppe verzückt Fotos macht, aber auch das wusste Goethe schon zu beschreiben indem er dichtet "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen, im dunklen Laub die Goldorgangen glühn". Italien fasziniert noch immer, wirkt immer noch, so wie vor 230 Jahren, also Goethe sich auf seine "Italienische Reise" begab. Im Gegensatz zu Göthe gönnen wir uns aber nur eine Woche, nicht zwei Jahre.

Aber beginnen wir von vorne. Wir, das ist eine Gruppe von 10 Personen um den Wanderleiter Willi Kempf, der diese Reise (schon zum wiederholten Male) für die Sektion Würzburg anbietet, perfekt organisiert und leitet. Eine Woche lang sind wir mit leichtem Gepäck unterwegs, das schwere Gepäck wird von Hotel zu Hotel transportiert. Als wir über die Alpen fliegen, sind diese noch fast vollständig mit Schnee bedeckt. Allerdings sind die Täler Richtung Süden schon bereits grün. Von Neapel geht es mit zwei Kleinbussen in einer zweistündigen Fahrt über die Berge nach Amalfi, dem Ausgangsort unserer Wanderung. Es ist Ostermontag und auf den engen Straßen vor unserem Zielort geht nichts mehr, die Autos stauen sich auf der einzigen Zufahrtsstraße. Oberhalb von Atrani steigen wir aus, gehen zu Fuß, laufen an den Autokolonnen entlang und freuen uns, dass wir die Sonne genießen können. So fängt unsere Wanderung an. Natürlich ist der Domplatz von Amalfi genauso voll wie die Straßen, nur diesmal von Fußgängern. Wieder freuen wir uns, es ist die richtige Jahreszeit, es ist warm, überall sieht man frisches Grün, nur die Cafes im Schatten haben noch freie Plätze, Italien gehört noch den Italienern, wir selbst sehen in unserer Wanderkleidung wie Exoten aus. Das Hotel ist gleich hinter dem Domplatz, ein alter Palast, der an die einstige Größe Amalfis als Seerepublik erinnert, die Zimmer groß mit riesigen Deckenhöhen. Zum Abendessen gehen wir gemeinsam in ein Lokal, wir sind für deutsche Verhältnisse spät dran, für Italien viel zu früh, das Lokal füllt sich aber noch im Laufe des Abends, eine italienische Großfamilie feiert am Nachbartisch.

Unsere Gruppe (Eva, Klaus, Heike, Werner, Gudrun und Siggi, Christine, Marita und Martin) hatte schon während der Wartezeit am Flugplatz und im Bus Zeit, sich näher kennen zu lernen. Für WIlli, unser Wanderleiter, ist es eine völlig neue Gruppe, die er durch seine geschickte Art zu Führen für sich einnimmt. Die Teilnehmer verstehen sich untereinander, wir haben viele gleiche Interessen, sei es die Natur, die Kinder oder das Interesse für fremde Länder und Kulturen. 

Gut ausgeruht geht es am nächsten Morgen mit dem Bus nach Ravello. Dort wird das klassische Besuchsprogramm, die mittelalterliche Villa Rufolo und Villa Cimbrone. In der Villa Cimbrone, die erst um 1900 als Wohnanlagen von einem Schotten errichtet wurde, macht ein Quartett auf dem Balkon der Terrazza dell'infinito Werbeaufnahmen, wir stehen auf dieser Terasse und schauen auf das unendliche Blau, begleitet von klassicher Musik. 

Die Wanderung zurück nach Amalfi führt zu einem Aussichtspunkt über den Torre dello Ziro ins Tal der Mühlen, dem Valle dei Mullini. Amalfi war früher ein Zentrum der handwerklichen Papierherstellung. Entlang des Flusses Caneeto kann man die beeindruckenden Ruinen der Papiermühlen bestaunen, die die große Bedeutung dieses Gewerbes erahnen lassen. In der Nöhe von Amalfi ist die Natur wieder kultiviert, es beginnen die Zitronenhaine mit ihren schwarzen Netzen. Wir fachsimplen über blühende Bäume, Siggi, der ehemalige Förster, setzt sich mit seiner Meinung durch, dass es blühende Pfirsischbäume sind, die wir in den Zitronengärten sehen. Ihre Blüten sind doppelt so groß wie unsere Pfirsischblüten. Und dann sind wir schon wieder im Trubel der Stadt, schieben uns an Menschenmassen vorbei, an Geschäfte, die entweder Zitronenseife, Zitronenlikör oder die bunte Keramik auf Vietri sul mare anbieten, natürlich auch oft mit Zitronenmotiven.

Man trifft sich in dem kleinen Ort ohne Verabredung, trinkt schon gemütlich einen Cappuccino oder Espresso, bevor man sich in das Hotel zurückzieht, um später wieder gemeinschaftlich, diesmal bei La Mamma, Abend zu Essen.

In den nächsten zwei Quartieren bleiben wir immer nur eine Nacht. Die Wanderung am zweiten Tourentag führt nach Praiano, am dritten nach Positano und am dritten Tag nach Sorrent. Um einen Ausflug nach Capri machen zu können, sind wir dort wieder zwei Nächte. Es führt immer ein Zweierteam, das von Willi eine genaue Beschreibung der Tour in einem Briefumschlag erhalten hat. Nach einer kurzen Vorstellung der Tour durch die Guides geht es los. Heute, und wie an den folgenden Tagen, sind wir wirklich zu Fuß unterwegs. Zuerst über verwinkelte Gassen, dann oberhalb der Amalfitana laufen wir an der Küste entlang aus Amalfi heraus, immer blickt man auf das strahlend blaue Meer. Dann geht es bergauf, immer über Treppen. Die erste Pause machen wir in einer Trattoria in San Lazzaro, die eigentlich geschlossen hat. Der Wirt tischt uns Oliven, frische Chips, geröstetes Weißbrot und Getränke auf, gerade das richtige für eine Pause. Und Eva und Klaus packen Schinken und Salami aus, den die beiden in Amalfi gekauft haben, Heike hat Oliven dabei. Wir teilen, was der Rucksack hergibt. Wir haven eine Hochebene erreicht, die man so von unten nicht erwartet, es geht jetzt vor allem auf einer Höhe weiter, wir umgehen eine großartige Schlucht unter steil abfallenden Felsen, wir kommen dabei durch wilde Natur.

In Praiano ist der schon beschriebene Balkon, auf dem die Name mit dem Zitronendurft verwöhnt wird. Mit unserem Hotel sind wir mitten im Ort, der sich über viele Etagen den Hang hochzieht. Wie immer, als Abschluss der Tages, tafeln wir in einer Trattoria, direkt neben der Kirche San Gennaro. Am dritten Tourentag steht der Weg der Götter an, der Sentiero Geli Bei. Bekanntlich wohnen die Götter weit oben, und wenn man nicht mit dem Bus hinauffährt, bedeutet dies an der AMalfiküste über viele Treppen nach oben zu steigen. Auf halbem Weg liegt ein altes, von Mönchen aufgegebenes Kloster, der Convento di San DOmenico, wo man einkehren könnte, wenn der Wirt nicht gerade telefoniert. Einmal oben, läuft man ohne großes Auf und Ab eine Strecke, mit herrlichen Ausblicken, aber an diesem Tag und für diese zwei Stunden, die wir auf dem Götterweg gehen, sind wir von einer dichten Nebelsuppe umgeben. Dennoch, der Weg ist schön, hat durch den Nebel besonders intensive Farben. Er ist nicht gerade einsam, wir begegnen einer ganzen Schulklasse aus Australien, die mit ihren Lehreren auf einer zweiwöchigen Intalientour auch diesen Weg gehen. Hier macht sich der Bekanntheitsgrad dieses Weges bemerkbar, es ist der berühmteste Abschnitt an der Amalfiküste. Wir sind begeistert, als sich der Nebel lichtet, und wir einen kleinen blauen Felck, das Meer tief unter uns erkennen können. Bei Nocelle ist der Götterweg zu Ende, wir sitzen bei Giulio Fuscos in seinem "kiosk of the path of gods" und sehen, wie sich die Nebel verzeiehen und ein Sonnentag mit etwas Verspätung beginnt, so schön, wie auch die anderen in dieser Woche. 

Die Gruppe steigt über Monteoertuso nach Positano ab, die Preise dort an der Strandbar lassen aufhorchen. Unser Hotel ist so klein, dass alle Zimmer mit uns gefüllt sind, Frühstück gibt es auf dem Zimmerbalkon mit Blick auf die Dächer der darunter liegenden Häuser und dahinter mit Blick auf das Meer.

Wie immer brechen wir pünktlich nach den Frühstück auf. Die weißen Häuser von Positano liegen im Gegenlicht und erscheinen weißer als sie sind. Doch schon bald liegen diese Häuser weit unter uns, damit auch der Lärm dieser von vielen Touristen besuchten Stadt. Heute ist unsere einsamste Tour, wir begegnen, bis wir nach 8 Stunden in Sorrent ankommen, nur einer Handvoll Menschen. Es ist auch die schönste Tour, wo wir die Vielfalt der mediteranen Frühlingsflora erleben können. Wir lassen und begeistern von baluen Anemonen, weiß blühender Baumheide, gelb blühendem Geißklee der wunderbar duftet, Lilien, die kurz vor dem Aufblühen stehen, und das allen in alpinem Gelände.

Unser Mittagsrast halten wir mit Blick auf Sorrent und Capri unter einem Holzkreuz ab. Wir tafeln 800m über dem Meer mit leckeren Käse, den nur in Salzwasser eingelegten Oliven, Schinken und Salami fehlen ebenfalls nicht. Nicht zu vergessen, die von Gudrun aus der Heimat importierten Fummibärchen als Nachtisch. 

Als wir in Sorrent an unserem Hotel ankommen (das letzte Stück durch die Stadt wurden wir mit einem Bus gefahren), empfängt uns das quirlige Leben dieser Stadt, die auf einem Tuffsteinplateau 50m über dem Meer liegt.

Wir genießen den Abend in Sorrent. Am nächsten Morgen wartet der Tagesausflug nach Capri auf uns. Schon der kleine Fußmarsch zum Hafen ist beeindruckend: Über dem blauen Meer erhebt sich der Vesuv, links und rechts davon das Häusermeer von Neapel und Pompei.

Der Ausflug nach Capri ist Kontrastprogramm überall viele Menschen und Gedränge. Capri hat ein Flair, den man im Parfumladen CARTUSIA nachspüren kann. Dort wird man mit vielen alten Bildern von Brigitte Bardot, Romy Schneider und Sophia Loren and die Glanzzeiten von Capri erinnert, als in den 60-iger Jahren die Schönen und Reichen den Ruf der Insel geprägt haben. Auf dem Küstenweg weit über dem Meer um einen Teil der Insel herum kann man dem Rummel aber entgehen. Es ist der heißeste Tag, diesmal duftet es von den hÄngen nach Rosmarin. Neben den Augustus Gärten und der Villa Jovis ist aber wieder unser Mittagspicknick der gemeinschaftliche Höhepunkt des Tages. Wir feiern den Geburtstag von Werner und ziehen viele neidische Blicke von Ausflügern auf uns.

Mit der letzten Fähre setzen wir wieder nach Sorrento über, lassen underen letzten, gemeinsamen Abend wie gephnt in einer Trattoria ausklingen. Wir lassen uns zu gemeinschafltichen Antipasti überreden, die so reichlich sind, dass wir unser Hauptgericht nicht mehr essen können (zumal für einige das Hauptgericht genau den Antipast entsprochen hat).

Am Rückreisetag stehen zwei Kleinbusse von 3:00 Uhr in der Nacht vor dem Hotel und bringen uns in einer einstündigen Fahrt zum Flughafen von Neapel. Ein paar Stunden später sind wir wieder zurück in Frankfurt.

 

Zum Schluss ein Resümee: Eine wunderschöne Reise in das vom Frühlingserwachen geprägte Italien, mit idealem Wanderwetter, perfekt organisiert, mit ausgewogen Touren, mit einem weltgewandten Tourenleiter, der der Gruppe den nötigen Freiraum gelassen hat, so dass sich jeder wohlgefühlt hat. Könne es nicht ein größeres Kompliment geben, wenn sich die Gruppe Gedanken macht, im nächsten Jahr wieder mit Willi auf eine gemeinsame Fahrt zu gehen?

 

 

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