Wanderreisen Consulting & Touristik
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Eine Reise in den Süden …

Göttliche Pfade an der Amalfiküste und Capri - Feeling

Eine Brise weht vom Meer herüber, Wellen rollen auf die zerfurchten Klippen zu und lösen sich in glitzernder Gischt auf. Neun Wanderer haben sich am Fuß des Leuchtturms von Faro di Punta Carena niedergelassen, genießen Panini, Käse, Oliven, samtroten Wein und erwarten den Moment, den alle Welt kennt: Den Sonnenuntergang auf Capri…..

Langsam verändern sich die Farben des Abendhimmels, werden zu einem feurigen Orangerot, schweben über dem Horizont  und schließlich taucht der glühende Ball der Sonne in die Tiefe des Meeres, untermalt von Rudi Schuricke’s „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“.  Wir summen die Melodie mit. Mehr Romantik geht kaum. Es ist das Finale einer wunderschönen Reise in den sonnigen Süden Italiens.

 

Anfangs steht die Tour coronabedingt lange auf wackligen Beinen, doch im dritten Anlauf können wir endlich starten. Bester Laune treffen wir am späten Sonntagnachmittag in Amalfi  zusammen mit unserem Guide Willi Kempf ein. Ganz Italien scheint auf den Beinen, denn am Abend rollt der Ball im EM-Endspiel für die „Azzurri“.

Ein hübsches kleines Hotel in einem Seitensträßchen nahe des Doms, ausgestattet mit außergewöhnlich schönen Fliesenböden, ist das Domizil für die nächsten zwei Nächte.

Nach dem kulinarischen Auftakt mit Abendessen im Ristorante bricht draußen die Hölle los.

Italien ist Europameister! Menschen strömen auf die Gassen, lassen ihren Emotionen freien Lauf, feiern ausgelassen mit Feuerwerk und bunten Rauchfahnen in südländischer Manier bis in den Morgen hinein – und rauben uns ein bißchen den Schlaf.

 

Doch der Montag fordert keine großen Anstrengungen. Es ist eher eine kulturelle Stippvisite in die Umgebung von Amalfi, nach Ravello und Pontone. Das schöne Ravello haben sich schon vor langer Zeit die Reichen und Schönen zum Wohnsitz auserkoren. Hier konnten sie unter Ihresgleichen sein, berühmte Persönlichkeiten aus Kunst und Politik einladen, Konzerte geben, rauschende Feste feiern. Doch auch wir dürfen heute noch vom Kunstsinn der schwerreichen Familie Rufolo profitieren und den wunderschönen Zaubergarten nebst der prachtvollen Villa besuchen. Raffinierte Blickachsen auf das Meer, verwunschene Ecken, antike Figuren, üppige Blütenpracht und sattes Grün machen den Park zu einem Ort der Einkehr und Fantasie.

 

Fast in Konkurrenz dazu, die Villa Cimbrone, die erhaben von dem steilen Felsvorsprung auf das tiefblaue Meer hinuntersieht. Der Besucher macht unwillkürlich Halt an der Balustrade der Terrasse der Unendlichkeit. Rätselhafte, morbide Marmorfiguren, wie aus einer anderen Welt, nehmen uns mit ihrem einzigartigen Zauber gefangen. Hier kann man nur sehen, staunen und schweigen – alles andere wäre diesem Ort nicht angemessen.

 

Eher sportlich zu nehmen ist der Aufstieg zum Aussichtspunkt auf den Torre del Ziro, einen mittelalterlichen Wachturm. Viele Treppen sind zu erklimmen bis man oben steht und einen phänomenalen Ausblick auf die Orte Atrani, Amalfi und die Küste Kampaniens hat, die silbern in der Ferne glitzert.

Immer bergabwärts, gelangen wir in das „Valle dei mulini“, ein stilles, grünes Tal.  Nur ab und zu ist das Plätschern des Flüsschens Canneto zu hören, das in früheren Zeiten die Papiermühlen antrieb, ein wichtiger Wirtschaftszweig Amalfis. Es scheint, als lugten verwitterte Mauerreste etwas ängstlich zwischen Efeuranken hervor, die von den Relikten schon fast vollständig Besitz ergriffen haben.

Bald dringen auch schon wieder die Geräusche von Amalfi ins Ohr und zum Schluss dieser wunderschönen Genusstour kann man sich in einem kleinen Lädchen am Dom hübsche kleine Souveniers aus handggeschöpftem Papier aus der letzten Papiermühle, die noch in Betrieb ist,  mit nach Hause nehmen.

Nicht zu vergessen der Absacker, der jede Tageswanderung stilvoll ausklingen lässt. Der heimliche Star ist diesmal der „Amalfi-Spritz“ – ein frischer Cocktail aus Limoncello, Prosecco, Eiswürfeln und Zitrone. In einer Bar sitzen, Menschen vorbeiflanieren sehen, genießen, eintauchen in das südländische Treiben, ist Dolce Vita pur……

 

Zum Startpunkt des „Sentiero degli Dei“, dem „Weg der Götter“ bringt uns der Linienbus auf der Amalfitana, der Küstenstraße, nach Bomerano. Schon die Hinfahrt ist ein Erlebnis der besonderen Art. Der Busfahrer kurvt gekonnt über die enge Straße durch den regen Verkehr, windet sich in einem Tempo über die Haarnadelkurven nach oben, das manchmal den Atem stocken lässt.

Doch vor dem Aufbruch erst mal frühstücken! Typisch italienisch mit Cappuccino und Cornetto auf einer kleinen Piazza und im „Alimentari“ ein üppiges Panino richten lassen – so ist man gut gerüstet.

Der weltweit bekannte Wanderweg, der bis Positano führt, trägt seinen Namen zurecht. Wie auf dem Rand eines gewaltigen Balkons wandert man hoch über dem in unzähligen blauen Farbfacetten schimmernden Meer, die Augen erfassen den ganzen Küstenstreifen bis zu den Faraglioni Inseln, dem Wahrzeichen von Capri. Himmel und Meer wetteifern, wer heute denn das beste Blau zustande bringt und dort, wo man den Horizont vermutet, verschmilzt alles zu einem milchig-blauen Schleier.

Durch Nocelle kann man nicht gehen, ohne einen Abstecher in Guiglio Fusco’s  kleine Bar am Wegrand zu machen. Neben einem genialen Ausblick auf das Meer, gibt es leckeren frischgepressten Zitronen- oder Orangensaft – ein idealer Energiedrink für den Abstieg nach Positano. Dort trifft sich gerne der internationale Jetset zu einem kleinen Urlaub oder liegt mit seinen Luxusjachten vor Anker. Die Auslagen der Schaufenster zeigen, dass man hier nicht mit dem kleinen Geldbeutel shoppen kann. Trotzdem wartet hier auf uns ein stilvolles, kleines Hotel, das „La Rosa dei Venti“ (in das sich alle sofort verliebt haben) mit Frühstück auf dem Balkon!! Jedoch hat es seinen ganz eigenen Preis: Man muß zu Fuß 408 Stufen hoch steigen, um dorthin zu gelangen.

 

Am Mittwoch liegt ein langer, einsamer Weg vor uns, der über den Monte Commune bis nach Sorrento führt. 1000 Höhenmeter sind zu überwinden. Der erste größere Anstieg geht über einen Weg, der mit dürrem, abgemähten Gras bedeckt und recht mühsam im Aufstieg ist.

Schweißtropfen rinnen, an manchen Stellen steht Farn fast schulterhoch und Konzentration ist gefragt. Doch schließlich erreichen wir das schlichte, urige Gipfelkreuz und gönnen uns die Mittagspause am höchsten Punkt über Sorrento mit einem überwältigenden Blick bis nach Capri.

Über Stock und Stein geht es stetig abwärts mit voller Aufmerksamkeit auf den steinigen Pfad, bis uns am Treffpunkt das Taxi zum Grand Hotel „Aminta“ bringt.

Die Hotelterrasse bietet am Abend eine eindrucksvolle Aussicht auf den Golf von Neapel. Das bunte Lichtermeer Napoli’s  zu Füßen des Vesuv, schlingt sich wie ein glitzerndes Band die Küste entlang soweit das Auge reicht. Zur Rechten erstrahlt Sorrento im abendlichen Glanz.

 

Als wir morgens aufbrechen, ahnen wir noch nicht, dass uns ein abenteuerlicher Tag bevorsteht. Die Tagesstrecke verläuft über den einsamsten und wildesten Abschnitt am südlichen Teil der sorrentinischen Halbinsel. Doch zunächst läuft alles noch recht gemächlich. Die Galli Inselchen faszinieren uns. Sie sind ein magischer Blickfang. Fast zum Greifen nah ragen sie aus den kobaltblauen Fluten.

In Torca füllen wir an einem Trinkbrunnen die Wasservorräte auf . Mediterrane Vegetation, Ginsterbüsche und Myrte säumen den Weg, der immer schmaler und unübersichtlicher wird. Die „italienische“ Kennzeichnung der Wanderwege ist nicht immer recht eindeutig und so verirren wir uns wohl auf einen alternativen, wenig frequentierten Trampelpfad, der ganz ordentlich Kondition abverlangt. Manchmal muß sogar der Hosenboden herhalten. Doch wir meistern die Herausforderung und gelangen wieder auf den „richtigen“ Pfad, der uns geradewegs an den Strand von Recommone führt. Bei der Mittagsrast in der Strandbar werden die Batterien wieder aufgeladen für den steilen Anstieg nach Nerano.

Die Mehrheit der Gruppe entscheidet sich hier, mit dem Taxi zurück zum Hotel zu fahren, wo man herrlich am Swimmingpool relaxen kann.

Nur zwei Unentwegte wagen zusammen mit Willi den steilen Aufstieg durch wilde Olivenhaine zunächst nach Termini und dann weiter zur Weißen Kapelle auf dem Monte San Costanzo. Ein einsamer Ort, den der Wanderer ganz für sich alleine hat, der aber die Mühen des Aufstiegs mit einer famosen 360-Grad-Rundumsicht vergessen lässt. Wieder zurück in Termini, belohnen wir uns mit einem Limoncello Spritz. Dass der Barbesitzer ein APE-Taxi hat, ist ein  Glücksfall und so wird die Rückfahrt zum Hotel für uns zu einem echten nostalgischen Vergnügen.

 

Unser letztes Ziel, Capri, zeigt an, dass die Reise ihrem Ende zustrebt. Aber noch liegen zwei wunderbare Tage auf der Insel der Sonne, der Träume und der Liebe vor uns.

Gleich am Morgen setzen wir mit der ersten Fähre über. An der Marina Grande wartet schon der Gepäcktransport, der die Koffer nach Anacapri zum Hotel „Biancamaria“ bringt. Unbeschwert können wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Capri’s erkunden. Die Zahnradbahn „Funicolare“ bringt uns schnell auf die berühmte Piazetta, wo sehen und gesehen werden gilt und der Cappuccino teurer als anderswo ist. Gleich schlagen wir den Weg zum „Augustusgarten“ ein, der neben einem ehemaligen Kloster liegt. Wären die vielen Besucher nicht, könnte man vom Belvedere aus auf die Faraglioni-Inseln blicken und dabei die Welt vergessen. Einen eindrucksvollen Blick gewährt der Garten auch auf die Haarnadelkurven der Via Krupp. Der gesperrte Serpentinenpfad wurde vom Industriellen Friedrich Alfred Krupp um die Jahrhundertwende angelegt, um von seiner Luxusherberge aus schneller ans Meer zu seinem Forschungsschiff zu gelangen.

An der Parfümerie „Carthusia“ kann man nicht vorbeigehen ohne ein duftendes Souvenier zu erstehen. Prachtvolle Gärten, Villen und teure Hotels säumen unseren Weg. Wer dort wohl wohnen mag? Ganz nah kommen wir jetzt den Faraglioni Inseln und hätten wir genug Zeit, könnten wir bis hinunter zum Strand gehen und zu deren Füßen ein erfrischendes Bad nehmen. Dafür statten wir der Grotta della Matermania einen Besuch ab. Geht die Morgensonne auf, wird die Höhle von ihren Strahlen hell erleuchtet. Mystische Feiern wurden hier zu Ehren des Sonnengottes Mithras abgehalten und auch Kaiser Tiberius nutzte sie als luxuriösen Ruheraum.

Doch das eindruckvollste Naturdenkmal ist für mich der „Arco Naturale“. Er stammt aus der Altsteinzeit und ist der gigantische Überrest einer eingestürzten Höhle. Unwillkürlich hält man den Atem an und ist ergriffen von diesem Naturwunder.

Auch Kaiser Tiberius ist dem Zauber Capri’s erlegen und regierte von hier aus über 10 Jahre das Römische Reich. Neben zahlreichen anderen Villen, ließ er die Villa Jovis direkt am Steilhang mit Blick auf das Festland errichten. Noch heute zeugen die über 2000 Jahre alten Mauerreste davon, wie prachtvoll sein Refugium gewesen sein muß.

Capri ist voll von prächtigen Villen, die von exzentrischen, gutbetuchten „Aussteigern“ im 19. Jahrhundert errichtet wurden. Fernab vom sittenstrengen Europa konnten sie am schönsten Flecken der Erde nach ihrer jeweiligen Neigung leben. Wenig bekannt ist auch, dass Capri ein Zufluchtsort für russische Intellektuelle war, die vor der Revolution flohen. Unter ihnen auch bekannte Namen wie Maxim Gorki und ein Mann, der später unter dem Namen Lenin Geschichte schrieb.

 

Am letzten Tag ist der Vormittag zur freien Verfügung. Je nach Lust und Laune kann man durch die zahlreichen Lädchen Anacapri’s streifen oder Sehenswürdigkeiten besuchen. Allen voran die Villa „San Michele“, die der schwedische Arzt und Schriftsteller Axel Munthe nach eigenen Vorstellungen auf den Ruinen einer alten Kapelle erbauen ließ. Das Haus samt wunderschönem Garten empfinde ich als eine Oase gelungener Harmonie. Es ist heute Museum, das sein Leben und Wirken dokumentiert.

Ein einzigartiges Zeugnis und Kleinod napolitanischer Handwerkskunst ist der Majolika Fußboden in der Barockkirche “San Michele“, der das Paradies auf Erden zeigt.

 

Nach diesen vielen Eindrücken werden ein letztes Mal die Wanderstiefel angezogen. Auf dem „Sentiero di Fortini“, einem traumhaften Wanderweg, der die Küste zwischen der „Blauen Grotte“ und  der Punta Carena säumt, lassen wir uns noch einmal von der Schönheit Capri’s und seines blauen Meeres einfangen. Bei Umrundung der letzten Klippe taucht auch schon der Leuchtturm auf Felsengrund vor einem azurblauen Himmel auf. Wir sind am Ziel und erwarten das letzte Highlight: den Sonnenuntergang auf Capri.

 

Wieder einmal hat sich eine nette Wandergruppe mit Lilo und Leo, Erika und Reinhard, Peter, Petra, Sabine und Ursula um Wanderführer Willi Kempf geschart und eine der schönsten Gegenden Italiens nicht nur erkundet, sondern jeden einzelnen Tag in vollen Zügen genossen.

 

Diese bestens konzipierte und organisierte Urlaubswoche wird uns für lange Zeit in schöner Erinnerung bleiben.

Herzlichen Dank, Willi!

 

                                                                                                                                                         Ursula Radler

 

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